Bericht 2025

Liebe Freunde, liebe Paten,

wie jedes Jahr beginne ich meinen Bericht mit den Worten „ich bin wieder wohlbehalten daheim

angekommen“.

Es war eine wunderbare Reise, unsere Jubiläumsreise, „20 Jahre Engagement für die Kinder von Talata“. Aber davon werde ich später berichten.

Wie üblich, haben wir am 1. Sonntag in der Hauptstadt die „Großen“ ins Hotel eingeladen. Die Freude ist immer groß, das gilt auch für den Manager des Hotels, Herrn Francois van Rens und seine Mitarbeiter.

Seit diesem Jahr unterstützen wir sage und schreibe 17 junge Leute, damit sie eine Ausbildung machen können. Allein die monatlichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung belaufen sich auf

€ 750,--. Viele Paten beteiligen sich und übernehmen diese monatlichen Kosten, zusätzlich zu den Kosten für die Ausbildung. Nach wie vor es ja so, dass man dort für die Ausbildung bezahlen muß.

Unsere Krankenschwestern Fara Angela,, Minosoa Sarah und Angela, werden kommendes Jahr fertig. Ebenso Sitraka, Krankenpfleger, der zum Militär möchte.

Rojo hat einen sehr guten Abschluß in Hotel-Tourismus gemacht, hat kürzlich geheiratet, ein Baby und wird ab 1.7.2026 auf eigenen Beinen stehen. Allerdings haben wir ihren Bruder Tolotra aufge- nommen, der Verwaltung studiert. Es erfüllt mich immer mit sehr großer Freude, wenn ich sehe wie sie ihren Weg gehen. Ohne Euch Paten wäre das nicht möglich.

Am Montag sind wir alle zusammen, Angelina und Sandrine Schwarzmann aus der Schweiz, Biggi Huber aus München, Oreste Wiesemann aus Köln, Bettina Lammert aus Dortmund und ich, zu den Kindern nach Talata gefahren. Ebenfalls in Talata war Jörg Bruckmann mit seiner Frau Cinzia aus Italien. Alle konnten ihre Patenkinder kennenlernen und mit ihnen plaudern. Es gab viele Mitbringsel, von Schulheften, Stiften, Brillen, über Zahnpaste hin zu Kleidung. Im Moment haben wir 202 Kinder im Programm, dazu die 17 in der Ausbildung, bei 132 Paten (in Deutschland, der Schweiz, Italien und Frankreich.

Beim Rundgang über das Schulgelände wurde festgestellt, dass die Wasserpumpe nicht mehr funktionierte und die Schule kein Wasser hat. Ein riesen Dankeschön an Jörg Bruckmann, der einmal telefoniert hat und am nächsten Tag konnten wir der Schulleiterin, Sr. Jeannette, € 500,-- schicken, für eine neue Wasserpumpe. Wenn’s nur immer noch einfach und schnell ginge.

Jetzt zu unserer Reise; am 25.9.25 fand in Madagaskar ein Staatsstreich statt. Auslöser waren die Proteste mehrerer Bürgermeister gegen die ständigen Strom- und Wasserausfälle. Als der Präsident die Bürgermeister verhaften ließ gingen die Studenten auf die Straße. Der Präsident war sich nicht zu schade, bewaffnete Polizisten (gegen Handgeld) zu schicken und auf die Studenten schießen zu lassen. Man spricht von 100 Toten. Beendet wurden die Proteste durch einen ranghohen General, der sich auf die Seite der Protestbewegung stellte und so die Sache beendete. Der Präsident wurde mit einer französischen Militärmaschine ausgeflogen, man sagt nach Dubai, und es wurde ihm die madagassische Staatsbürgerschaft aberkannt. Also dieser Spuk ist endgültig vorbei. Der Übergangs- präsident ist ein ehemliger Bankdirektor und in spätestens 2 Jahren müssen Wahlen stattfinden.

Die Menschen sind voller Hoffnung, dass sich endlich was zum Guten wendet.

Es gibt aber auch Negatives, die Weltbank hat ihre Zahlungen an Madagaskar eingestellt und es gehen Firmen Pleite. Das trifft auch 2 unserer Großen, die kein Gehalt bekommen und ihre Kredite nicht zurückzahlen können.

Ich frage mich nur, warum man keine Skrupel hatte Geld zu schicken, als der durch und durch korrupte Präsident Andri Rajoelina noch im Amt war.

Unsere Reise selbst war wunderbar, bestens organisiert und voller toller Eindrücke und obwohl ich nun schon oft dort war, hab wieder etwas Neues gesehen und erlebt. Z.B. Besuch von Lemuren im Hotelzimmer um 5.00 h früh – diese Schlingel.

Wir waren in den roten und grauen Zingis, was zum Teil schon sehr anstrengend war, mehr Bergtour als Wanderung, aber trotzdem beeindruckend.

Was mich erstaunt hat dieses Jahr ist, die Luftverschmutzung war weit weniger schlimm als in den letzten Jahren und die Straßen sind z.T. wirklich gut…. Im Norden. Die Straße zwischen der Haupt- stadt und Tamatave, dem Exporthafen, ist eine Katastrophe. Ich hab noch nie soviele LKW’s mit Pannen gesehen, wie dieses Jahr. Die Fahrer schlafen dann tagelang unter ihren Fahrzeugen und warten auf die Ersatzteile.

Interessant und aufschlußreich waren auch die Treffen mit unserem lieben Freund, Dr. Lala Arison und Thilo Schreiner, einem Mitarbeiter der GIZ und ausgezeichnetem Madagaskarkenner.

z.B. wurde im Süden eine neue Straße gebaut, daraufhin gingen die Zahlen von Vergewaltigungen zurück. Warum ? Die Mädchen mußten auf dem Weg zur Schule nicht mehr durch Reisfelder laufen, sondern konnten die neue Straße nutzen.

Ebenfalls im Süden, ein Kind war krank und die Mutter ging zum Schamanen, einen Arzt kann sich keiner leisten. Der Schamane empfahl tatsächlich, dem Kind einen Tee mit Zebusch… zu trinken zu geben, was das arme Kind nicht überlebt hat.

Geschichten dieser Art sind zahlreich…

Aber was will man machen, wenn der Anteil der Analphabeten in der Bevölkerung bei, offiziellen, 25 % liegt. Mit Sicherheit ist er deutlich höher. Die öffentlichen Schulen taugen nichts, der Staat zahlt die Lehrer nach wie vor nur sehr unregelmäßig und die Lehrer verlangen dann das Geld von den Eltern, die sowieso nichts haben. Also gehen immer weniger Kinder in die Schule.

Bei uns im Zentrum zahlen die Eltern zwischen 15.000 und 19.000 Ariary, das sind zwischen 3,-- und 3,80,-- € pro Kind. Aber bei drei Kindern und mehr wird’s schon happig. Ein Kilo Reis kostet

3.000,-- Ariary, das sind ca. 60 cent. Man rechnet 1 kg Reis/Tag/Person und der Landarbeiter ver- dient, wenn er Glück hat, zwischen 1,50 und 2,-- €.

Ihr seht also, unsere Hilfe ist höchst willkommen und wertvoll. Ohne uns könnten alle diese Kinder keine Schule besuchen und vor allem, keine Ausbildung machen. Es gilt nach wie vor, jeder Euro kommt an und alle Kosten werden privat bezahlt. Solltet Ihr an Weihnachten an unseren Verein denken – jede Spende ist willkommen und mehr als hilfreich.

Ein riesengroßes Dankeschön auch an meinen jungen Theologen, Nick, der mir unermüdlich und fast unentgeltlich hilft. Er geht in die Schulen, erkundigt sich nach den Kosten, erstellt mir Daten- blätter, nimmt das Geld, das ich per Remitly schicke, in Empfang, verteilt es, oder bezahlt direkt die Schulen und schickt mir die unterschriebenen Nachweise der Geldverwendung (ist für’s Finanzamt). Ohne ihn könnte ich das alles nicht so einfach handhaben.

In diesem Sinne wünsche ich Euch Frohe Weihnachten und alles Gute für das kommende Jahr.

Zum Schluß möchte ich noch meinem lieben Freund und Vorstandskollegen Dr. Josef Sobek danken, der mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht.

Viele liebe Grüße und danke für Eure Unterstützung,

Eva

im Dezember 2025

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