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Reisebericht Madagaskar „Antananarivo, der OSTEN & der NORDEN“
Studienreise nach Madagaskar mit Besuch des Projektes in Talata (17.11.2025) sowie zwei Rundreisen in den Osten und den Norden der Insel
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Reiseziele
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Mitreisende
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15. bis 19.11. Aufenthalt in Antananarivo -Tana- (ÜN Radisson Waterfront)
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19. bis 23.11. Rundreise in den Osten mit Theo (Fahrer) und Gabi (Guide)
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23. bis 24.11. Zwischenstopp in Antananarivo (1 ÜN Radisson Waterfront)
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24. bis 29.11. Rundreise in den Norden mit 2 Fahrer und Farina (Guide)
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Eva Kopp, Biggi Huber, Bettina Lammert, Angelina & Sandrine
Freitag, 14.11.
Anreise mit dem ICE von Köln-Deutz (17:35) nach Frankfurt/Flughafen (18:40). Anschließend bin ich zur Gepäckaufgabe zum Schalter von Ethiopian Airlines gegangen, um dort meinen Koffer aufzugeben.
Danach habe ich Eva gegen 19:30 Uhr am Gate D 43 getroffen, die dort schon seit ihrer Anreise aus Bilbao auf mich gewartet hat. Endlich; nach zweieinhalb Jahren wurde das Wiedersehen mit einem Kellerbier zünftig gefeiert. Die Freude und die Aussicht auf unsere wunderbare Reise nach Madagaskar war sehr groß. Ich habe mir dann noch eine Brezen zur Stärkung gegönnt. Zur Boarding Time gegen 21:15 mussten wir uns trennen, denn Eva ging zum Schalter für die Businessclass. Gegen 21:45 hob unsere Maschine, ein Airbus A 350, von Frankfurt Richtung Addis Abeba ab. Es war ein angenehmer und ruhiger Flug. Ich hat im Vorfeld einen Fensterplatz gebucht. Zunächst blieb der Mittelsitz frei. Dann kam ein Modellathlet mit einer Körpergröße von mind. 1,90 und füllt diesen komplett aus. Nach fünf Minuten merkte er die Enge und platzierte sich eine Reihe vor uns, die komplett frei war. Der Mitreisende am Gang meinte zu mir: „This is better for us“.i
Samstag, 15.11.
Landung nach ca. 6,5 Stunden Flugzeit in Addis Abeba gegen 6:15 (Ortszeit - + 2 Std). Anschließend ausgiebiges Frühstück mit Eva in der Lounge von Ethiopian Airlines. Weiterflug nach Tana um 09:30, Ankunft nach ca. 4 Stunden Flug um 13:30. Auch dieser Flug verlief angenehm ruhig.
Am Flughafen haben wir nach kurzer Zeit Biggi getroffen und sind dann mit zwei Taxen zum Hotel gefahren worden.
Auf der Fahrt bekam ich einen ersten Eindruck von der Hauptstadt und ihren Menschen. Wir fuhren an einfachsten „Behausungen“ vorbei. Sie bestanden entweder aus Lehm- und oder Blechhütten. Sie hatten in jedem Fall, für unsere Verhältnisse einen provisorischen Charakter. Nachdem wir auf einer der Einfallstraßen zum Zentrum von Tana eingebogen sind, liefen die Menschen neben unserem Fahrzeug her und boten ihre Waren feil. Dabei ist mir auch ein kleiner Junge, der ziemlich schlecht ernährt aussah, aufgefallen. Er lief bestimmt fünf Minuten,
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wenn nicht sogar länger, neben uns im Stau her und bettelte an meiner Seite. Der Fahrer wies mich daraufhin ihm weder Geld noch Naturalien zu geben. Bei Abgabe von Naturalien besteht latent die Gefahr, dass der Junge nach Entgegennahme sofort umfällt, und die Eltern uns zur Rechenschaft (Geld) zwingen. Nach dem Motto: „Du hast unseren Jungen vergiftet“. Trotzdem hatte ich in diesem Moment ein schlechtes Gewissen und der Junge tat mir unendlich leid. Es fiel mir sehr schwer, sein Flehen zu ignorieren.
Ich war von diesen ersten Eindrücken ziemlich „geschockt“. Nicht dass ich bessere Verhältnisse erwartet hätte! Aber es sind doch nochmal ganze andere Eindrücke, wenn man das Elend hautnah sieht und erlebt. Von daher war ich gespannt, was uns in den nächsten Tagen bzw. zwei Wochen erwartet.
Ziemlich am Ende unserer Fahrt zum Hotel fuhren wir durch eine enge Straße, in der die Menschen alles Mögliche zum Kauf anboten. Von Früchten, allerlei Krimskrams über Ersatzteilen für PKW und Zweiräder, alte Autoreifen und Felgen. Dahinter konnte ich kleine Gassen, in den die Menschen auf engstem Raum „lebten“ erkennen. Dann bog der Fahrer links in das Quartier „Waterfront“, indem sich auch unser Hotel befand, ab. Die Zufahrten, so habe ich später erfahren, werden durch Tore, die am Abend geschlossen werden, gesichert.
Wir wurden in unserem Hotel Radisson Waterfront freundlich begrüßt. Eva wohnte die letzten Jahre bei ihren Aufenthalten in Tana hier. Es war eine gute Wahl. Es hat eine überschaubare Größe und ist landestypisch ausgestattet. Die Zimmer sind großzügig und sind nach europäischem Standard gut ausgestattet. Im Außenbereich verfügt das Hotel über eine großzügige Terrasse, direkt am See, sowie über einen großzügig angelegten Swimmingpool. Eva hatte von Europa aus bei einem bekannten Devisenhändler, der ihr immer einen guten Kurs bietet, Euro in Landeswährung Ariary geordert. Am Nachmittag kam Elisa mit den entsprechenden Couverts ins Hotel und händigte jedem von uns, gegen Abgabe von Euros, den bestellten Gegenwert in Ariary aus. Unser erstes Abendessen haben wir Drei, gemeinsam mit Angelina & Sandrine, um 19:00 Uhr auf der oberen Terrasse des Hotels eingenommen. Bettina war bei diesem ersten Treffen noch nicht dabei, weil sie einen Tag später angereist ist.
Sonntag, 16.11.
Nach der längeren Anreise habe ich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, bis 07.00 Uhr durchgeschlafen. Wir hatten uns für 9:00 Uhr zum Frühstück auf der Terrasse verabredet. Daher habe ich mich im Bett noch einmal umgedreht und bin tatsächlich wieder eingeschlafen. Erst nachdem Eva, kurz vor 09:00 bei mir im Zimmer angerufen hatte, bin ich rasch aufgestanden.
Wir haben auf der Terrasse das erste gemeinsame Frühstück genossen. Nach Mittag hatte Eva die „Ehemaligen“ vom Zentrum, die sich derzeit in der Ausbildung befinden, zum „Rapport“ ins Hotel einbestellt. Mit dabei war Nick, ebenfalls ein ehemaliger Schüler, der mittlerweile sein Theologiestudium abgeschlossen hat und in Tana an der Uni unterrichtet. Er unterstützt Eva vor Ort und ist quasi ihre rechte Hand. Ebenso hatte Eva Monsieur Rakotto, ein in Madagaskar bekannter Musiker und Sänger, zu dem Treffen eingeladen.
Alle Ehemaligen haben Eva berichtet, wie es ihnen in den vergangenen zwölf Monaten ergangen ist und wie der Stand ihrer Ausbildung ist. Danach hatte Monsieur die jungen Leute dazu animiert, mit ihm gemeinsam ein Lied zu singen. Anschließend hatte Eva die Jugendlichen
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zum gemeinsamen Pizzaessen und Getränken eingeladen. Alle, auch wir, haben den gemeinsamen Nachmittag genossen und kurze, interessante Einblicke in die Berufswelt der jungen Menschen erfahren. Zwischendurch hatte ich Gelegenheit mich mit Nick auszutauschen. In dem Gespräch habe ich viele interessante Informationen erhalten und einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen vor Ort erfahren. Das war sehr interessant! Die sprachliche Barriere haben wir mittels der auf meinem Smartphone installierten Sprach APP Voice überwunden. Kurz bevor sich alle verabschiedet haben, sind Cinzia und Jörg dazu gestoßen. Eva hatte beide im vergangenen Jahr auf Madagaskar kennen gelernt. Cinzia und Jörg bereisen das Land, wie bereits im vergangenen Jahr, für mehrere Wochen und engagieren sich beide als Paten. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und haben uns über ihre Erfahrungen im Land sowie unseren gemeinsamen, morgigen Besuch der Schule ausgetauscht.
Am Abend haben wir gemeinsam im Hotel den Tag Revue passieren lassen und hierbei zu Abend gegessen. Alle waren sicherlich auch voller Erwartungen auf den morgigen Tag, an dem wir den Besuch der Schule in Talata eingeplant hatten.
Montag, 17.11. Besuch der Schule in Talata
Wir wurden um 9:30 Uhr von unserem Chauffeur abgeholt. Nachdem wir uns durch den anfänglichen Stau „gekämpft“ haben, sind wir nach gut einer Stunde Fahrt in Talata angekommen.
Die Leiterin der Schule, Schwester Janette, hatte uns freundlich empfangen. Zuerst haben alle unsere mitgebrachten Spenden bei ihr im Büro abgegeben. Danach hat sie uns über das Schulgelände geführt. Zuerst hat sie uns den Garten und das Gebäude, indem die Küche untergebracht ist, sowie die Räume, wo die Kinder gemeinsam essen, gezeigt. Anschließend die Unterkünfte der Kinder, die in der Schule leben.
Im Anschluss haben wir die Klasse der Vorschulkinder betreten. Wir wurden von den drei Lehrerinnen sowie den Kindern freundlich begrüßt. Hierbei haben sie uns ein Lied präsentiert. Das hat ihnen Spaß gemacht und bei uns eine große Freude ausgelöst. Wir zogen weiter und haben eine Klasse mit älteren Schülern besichtigt. Alle Kinder trugen eine einheitliche Schuluniform (weiße Hemden/Blusen sowie blaue Hosen bzw. Röcke). Dabei hatten Gelegenheit einige Minuten in den Unterricht reinzuhorchen. Wir hatten, nachdem wir meist in freudige Gesichter schauen konnten, einen durchweg positiven Eindruck gewonnen.
In einem weiteren Gebäude war im ersten OG die Schneiderei untergebracht. Dort konnten wir uns einen Einblick von der Herstellung der Schuluniformen verschaffen. Diese werden von zwei Frauen angefertigt. Sie präsentierten uns die halbfertigen und fertigen Kleidungsstücke. Im Anschluss gingen wir ins EG, wo uns in einem Besprechungszimmer mit Sv. Jannette austauschten. Sie wollte von uns wissen, welche Eindrücke wir von der Schule bis dahin gewonnen hatten. Durchweg hatten wir ihr ein positives Feedback gegeben. Gegenstand der Besprechung war auch die defekte Wasserpumpe und wie das Problem kurzfristig zu lösen sei. Hierbei stellte sich heraus, dass der Schule für die Ersatzbeschaffung die notwendigen finanziellen Mittel fehlten. Nachdem sie auf Nachfrage den Preis für die neue Pumpe mit € 400,00 angab, haben sich drei Paten spontan bereit erklärt, hierfür die Mittel zu spenden,
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damit das Problem kurzfristig behoben werden kann. Sv. Jannette kümmert sich um die Ersatzbeschaffung und Installation der neuen Pumpe.
Anschließend wurden die Patenkinder der anwesenden Paten gerufen, damit sie uns persönlich kennenlernen. Hierbei hatten wir Gelegenheit mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Unser Patenkind musste, nachdem es zweimal die Abiturprüfung nicht bestanden hat, die Schule verlassen. Stattdessen habe ich mit Saras Patenkind Kovana sprechen können. Ein sehr aufgewecktes Mädchen im Alter von 16 Jahren. Sie war mir sehr zugewandt und freundlich. Sie hatte berichtet, dass sie im nächsten Jahr ihre Abiturprüfungen ablegt. Das persönliche Kennenlernen der Patenkinder war für uns einer der Hauptgründe unserer Reise nach Madagaskar. Alle von uns haben insgesamt einen positiven Eindruck von der Schule mitgenommen. Gegen 12:30 Uhr sind wir zur Rückreise nach Tana aufgebrochen. Danach haben wir in unserem Hotel ein Lunch zu uns genommen.
Gegen16:00 Uhr hatte Eva ein Treffen mit Thilo arrangiert. Er ist seit Jahren als Entwicklungshelfer, im Auftrag der GIZ, in Madagaskar tätig. Er berichtete von seinem Engagement vor Ort. Die Arbeit ist sehr strapaziös, weil er häufig auf Widerstände in der Bevölkerung und bei den örtlichen Behörden trifft. Diese zu überwinden, insbesondere im Hinblick auf die Realisierung und Koordination von geförderten Projekten, ist nerven- und zeitraubenden und verlangt einen langen Atem. Daher ist er immer bestrebt Unterstützer für seine Arbeit und die hierfür geeigneten Kontakte zu generieren.
Gegen 17:30 ist Dr. Lala in der Runde hinzugekommen. Mit seiner Expertise und Kontakten ist er sicherlich auch einer derjenigen, der Thilo in einigen Situationen weiterhelfen bzw. unterstützen könnte. Eva kennt Dr. Lala schon seit vielen Jahren. Er betreibt seit Jahren eine private Klinik in Tana, mit einer Außenstelle in Moramanga (westlich von Andasibe). Wenn gesundheitliche Probleme bei den Kindern und Jugendlichen in Talata auftreten, dann kümmert er sich als deren Hausarzt seit einigen Jahren um deren Behandlung. Dr. Talata gab zum Besten, dass er von Beruf nicht Arzt, sondern Chirurg sei! Er hat eine sehr humorvolle und liebenswerte Art. Er schilderte uns seine Vita. Nach dem Abitur ist er nach Europa ausgewandert, um dort sein medizinisches Studium zu absolvieren. Die meiste Zeit hatte er an div. Unis in Frankreich studiert. Nach seinem Studienabschluss ist er nach Deutschland übergesiedelt. Dort hat er an verschiedenen Standorten in Norddeutschland (HH, HB, OL und OS) seine praktischen Erfahrungen gesammelt und seine Prüfungen als Facharzt abgelegt. Nach sieben Jahr hat er sich entschlossen, wieder in seine Heimat nach Madagaskar zurückzukehren, um dort seine in Europa erworbenen Fachkenntnisse, zum Nutzen der einheimischen Bevölkerung, einzubringen. Mittlerweile ist er seit 35 Jahren wieder in Madagaskar. Er berichtete von finanziellen Schwierigkeiten in der Klinik. Die Beamten in M. sind privat krankenversichert. Bei der Abrechnung mit den Krankenkassen treten häufig Probleme auf, indem sie die Außenstände sehr verzögert, nur zum Teil oder im schlimmsten Fall gar nicht begleichen. Z. Zt. sind Außenstände in Höhe von € 1.000,00 aufgelaufen. Er hofft, diese bis Ende d. J. zu erhalten. Zur Überbrückung des Liquiditätsengpasses bat er um Hilfe, eine Art Zwischenfinanzierung um den momentanen Engpass überbrücken zu können. Spontan sagten Bettina und ich, evtl. auch Biggi unsere Unterstützung zu, indem jeder von uns € 200,00 als Spende zur Verfügung stellt. Die restliche Summe wollten Eva & Ernst zu der Gesamtsumme beisteuern. Zum Abschluss stieß Bepi, von Beruf Gemmologe (Edelstein-fachmann oder sachverständiger), dazu. Er betreibt in dem Resort Waterfront eine große Firma, die auch
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international mit Edelsteinen und Schmuck handelt. In dem Geschäftslokal bearbeitet er die Edelsteine und fertigt hieraus auch wertvolle Schmuckstücket. Bepi hatte uns für den nächsten Tag zu sich nach Hause eingeladen. Sein Anwesen liegt fußläufig ca. 10 min. von unserem Hotel entfernt. Hierzu später mehr!
Dienstag, 18.11.
9:00 Uhr Abfahrt zur Croque Farm im Norder der Hauptstadt gelegen. Nach einer knapp einstündigen Anfahrt haben die Farm erreicht. Dort konnten wir uns viele Sehenswürdigkeiten der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt von Madagaskar anschauen. Angefangen von Chamäleons, kleinen Echsen, Schildkröten, Kuhreihern, Schildkröten und den großen Krokodilen (NIL). Dort leben ca. 150 dieser Großechsen, die verteilt auf zwei angelegen Seen in dem Gelände bestaunt werden können. Nach knapp drei Stunden haben wir das Resort wieder verlassen. Allerdings bin ich am Nebenausgang an einem halb heruntergelassen Gitter aus Armierungseisen mit dem Kopf „hängengeblieben“. An dieser Stelle wurde der Weg bzw. die Treppe neu gepflastert, sodass ich kopfabwärts meine volle Aufmerksamkeit auf die halb fertigen Stufen gerichtet habe. Die Wunde am Kopf hatte stark geblutet. Der Mann an der Rezeption hatte mir Mullbinden zur Verfügung gestellt, um die Wunde zu stillen. Zuvor habe ich die Wunde mit klarem Leitungswasser, so gut es ging, gereinigt. Nach einiger Zeit hatte die Blutung zum Glück aufgehört. Dafür hat mein Schädel ziemlich gebrummt. Gegen 13:00 waren wir wieder im Hotel zum Lunch.
14:00 Uhr Treffen mit Bepi auf seinem großzügigen Anwesen mit hochherrschaftlichem Haus. Er erzählte uns, dass in dem Villenviertel, gegenüber von seinem Anwesen, der türkische Botschafter privat wohnt. Der türkische Staat hat das Anwesen für mtl. ca. € 8.500 angemietet! Bepi präsentiert uns auf der Terrasse seine Edelsteine und Schmuckstücke, die allesamt in einer gehobenen Preiskategorie lagen. Hierbei berichtete er uns von der Plünderung seiner Geschäftsräume während des Umsturzes des Ex-Präsidenten. Hierbei sind ihm viele wertvolle Sammlerstücke gestohlen worden. Anschließend sind wir zu Fuß zu seinen angemieteten Geschäftsräumen, die in unmittelbarer Nähe zu unserem Hotel liegen, gegangen. Sie wurden während des Umsturzes verwüstet. Direkt daneben grenzt sein neu erworbenes Geschäftshaus. Dies wurde leicht beschädigt. Der Schwelbrand konnte er in Eigeninitiative, mit Hilfe der örtlichen Feuerwehr, löschen. Zurzeit wird dieses Haus, mit einer Nutzfläche von insges. 600 m² und einer großzügigen Terrasse im 2. OG, wieder hergerichtet. Er plant die Eröffnung, zumindest der Verkaufsräume im EG, für den 1.12. ein. Die Büro- und sonstigen Arbeitsräume werden nach und nach ausgebaut und sollen bis Ende des Q1/2026 fertiggestellt sein.
Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns ein Bild von der Verwüstung der gegenüberliegenden Fernseh- und Radiostation des Ex-Präsidenten machen. Das OG und die Dächer sind komplett abgebrannt. Die Außenfassaden inkl. Fensterfront stark beschädigt. Die Demonstranten hatten auch versucht, dass unmittelbar daneben liegende Hotel Radisson Waterfront, in dem wir wohnen, zu stürmen. Der Hotelmanager erzählte uns, dass er und seine Mitarbeiter, unter Zuhilfenahme von Feuerlöschern, die Stürmung des Hotels durch die Demonstranten verhindert haben. Ebenso die Stürmung des in der Nähe liegende 8-geschossige Hotel Radisson Blue. Hierfür sorgte eine Rugbymannschaft aus Südafrika, die zu diesem Zeitpunkt in dem Hotel wohnte. Sie hatten sich zu diesem Zwecke mit Baseballschlägern „bewaffnet“. Am Abend haben wir uns auf der 8. Etage im Radisson Blue einen Apero gegönnt und hierbei die großartige Aussicht auf die Stadt bewundert.
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Wir haben die vielen Eindrücke des Tages verdaut und anschließend unser Abendessen genossen.
Mittwoch, 19.11.
Wir wurden von unserem Guide Gabi um 09:00 begrüßt. Ebenso von unserem Fahrer Theo. Beide machten auf Anhieb einen sehr sympathischen Eindruck, sodass wir uns von Anfang gut aufgehoben fühlten. Uns stand ein Kleinbus mit ca. 16. Sitzplätzen zur Verfügung. Beste Voraussetzung für unsere fünftägige Rundreise gegen Osten. Unsere erste Zwischenstation war der Exotic Park, den wir gegen Mittag erreichten. Hier wurden uns von einem örtlichen Guide einige Tiere, die nicht in freier Wildbahn lebten, präsentiert. Hierbei haben wir div. Arten von Chamäleons, Echsen, Schlangen und Kröten bestaunt. Ein starkes Gewitter hat die Exkursion begleitet, sodass wir uns zwischendurch unterstellen mussten. Danach haben wir uns bei einer kleinen Jause gestärkt, bevor wir unsere Fahrt nach Andasibe über Moramanga fortgesetzt haben. Gegen 16:00 Uhr haben wir unser erstes Quartier, die Mantadia Lodge, erreicht. Wir wurden bei strömenden Regen, zwischenzeitlich war wieder eine neue Gewitterzelle aufgezogen, von dem Hotelpersonal sehr freundlich empfangen. Eine Abkühlung in dem tollen Swimmingpool fiel buchstäblich ins Wasser.
18:00 Uhr brachen wir zur Nachtwanderung in dem in der Nähe gelegenen Nationalpark auf. Hierbei wurden wir von einem örtlichen Guide über die Straße auf der Suche nach nachtaktiven Tieren geführt. Wir haben bei zum Teil strömenden Regen leider nur einige seltene Woll-und Mausmakis und Chamäleons gesehen. Dies war auch nur möglich, weil der Guide (mit gutem Instinkt und Blick ausgestattet) sowie mit Hilfe einer leistungsfähigen Taschenlampe und einem Laserpointer die Tiere für uns ausfindig gemacht hat.
Danach haben wir uns gegen 20:00 Uhr auf das Abendessen im Restaurant der Lodge gefreut. Es war hervorragend und auch der Service war erstklassig. Um 22:00 haben wir unser gemeinsames Dinner beendet und zeitig ins Bett gegangen. Denn am nächsten Tag wollten wir ja wieder zeitig unsere Reise fortsetzen.
Donnerstag. 20.11.
Abfahrt von Andasibe über Manambato nach Akanin’ny Nofy. Die Nationalstraße „N2“, die übrigens ihren Namen nach unserem Verständnis einer Schnellstraße in keinem Fall verdient, führt vor unserem Abzweig nach Toamasina. Hier befindet sich der einzige internationale Hafen des Landes. Dort kommen alle großen Schiffe an. Von dort werden alle Waren be- und entladen und auf LKWs verladen. Diese donnern dann über die N 2 Richtung Westen durch die vielen kleinen Dörfer und Städte. Kein Wunder, dass die N2 gegen Osten in einem immer schlechteren Zustand und von Schlaglöchern übersät ist. Zum Teil löst sich der Asphalt auf, sodass wir teilweise über eine Schotterstrecke fuhren. Die N2 wird immer wieder ausgebessert. Auch wir hatten das „Vergnügen“ zwei größere Baustellen passieren zu müssen. Kein Wunder, dass wir für die 280 km an zwei Tagen insgesamt 14 Stunden Fahrtzeit benötigten. Bei der Fahrt durch die größeren Städte erlebten wir das bunte Treiben. Hier findet einmal die Woche ein Markttag statt. Dann strömen die Menschen aus den umliegenden Dörfern, zum Teil aus größerer Entfernung, in die Städte, um Lebensmittel zu kaufen bzw. zu verkaufen. Hierbei erzählte Gabi, dass ca. 80% der Früchte, insbesondere die Litschis, ins Ausland exportiert werden. Ferner erzählte sie uns, dass die
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Menschen die Gelegenheit nutzen, um an den Markttagen ihre Verwandte und Freunde zu treffen. Gegen 16:00 erreichten wir den Ampitabe See. Dort haben wir unseren Bus verlassen und sind mit unserem Gepäck zum Wasser gegangen. Transfer mit dem überdachten Motorboot über den Pangalanes-Kanal. Nach einer einstündigen Fahrt haben wir unser Quartier, Palmarium Lodge, auf der Insel Akanin’ny Nofy erreicht. Nachdem jeder von uns seinen Bungalow, unweit vom See und Strand, in der Anlage bezogen hat, haben wir uns zum Abendessen (3 Gang Menü) um 18:00 getroffen. Zuvor hatte ich neben meinem Bett eine kleine Wasserlache entdeckt. In meinem Bungalow, so stellte sich bei Überprüfung des Daches herausgestellt, war eine Stelle undicht. Diese wurde umgehend von dem Personal abgedichtet. Danach stand einer trockenen Nacht nichts entgegen. Allerdings musste ich mich vor dem Einschlafen an die ungewohnten Geräusche, die aus dem Urwald kamen, gewöhnen. Unter dem Moskitonetz bin ich dann aber nach einiger Zeit der Eingewöhnung eingeschlafen.
Freitag, 21.November
06:45 Nachtruhe beendet. Ich habe die Zeit bis zum Frühstück für einen ersten Morgenspaziergang am nahen gelegenen Strand genutzt, um die Umgebung erstmalig zu erkunden. Um 07:30 habe ich mich in die Fluten des Ampitabe See gestürzt. Anschließend haben wir gemeinsam gefrühstückt. Hierbei leisteten uns die ersten Lemuren Gesellschaft. Wir konnten sie aus nächster Nähe bestaunen. Einem der Gesellen ging das Fotoshooting offensichtlich auf die Nerven. Er gepinkelt, was das Zeug hielt. Zum Glück in ausreichendem Abstand zu unserem Tisch!
Gegen 09:00 Uhr sind wir mit einem örtlichen Guide zu einer mehrstündigen Führung durch den Palarium-Park gestartet. Unser Tourguide Gabi war ebenfalls mit von der Partie. Wir konnten den privaten Park mit seiner großen Lemuren-Artenvielfalt genießen. Immer wieder tauchen verschiedene Arten von Lemuren in Gruppen, zum Teil in unserer unmittelbaren Nähe auf. Hierbei hatten wir auch das Glück Muttertiere mit ihren Jungen bestaunen zu können. Ferner haben wir in dem Tropenwald verschiedene Echsen sowie andere Insekten (u.a. Libellen) sowie besondere Pflanzen (Vanilleschoten) bestaunen können. Um 12:00 waren wir zurück in unser Lodge; pünktlich zum Lunch. Danach haben sich alle zurückgezogen. Mit Biggi habe ich mich zum Schwimmen am Strand verabredet. Anschließend haben sich jeder von uns auf der Terrasse seines Bungalows in die Hängematte gelegt und die Siesta genossen.
Um 18:00 Uhr sind wir zu unserem nächtlichen Ausflug mit dem Boot zu einer künstlichen angelegten Insel aufgebrochen. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 30 Minuten. Auf der Insel leben die selten, vom Aussterben bedrohten Aye Aye Lemuren (Fingertiere) mit ihrem furchterregenden Aussehen, die in etwa Nachtgeister ähneln. Diese seltsamen Lemuren sind nachtaktiv wurden auf der Insel angesiedelt. Sie werden rund um die Uhr bewacht. Nach der Ankunft sind wir ca. 15 Minuten durch den Tropenwald gegangen und konnten dann bei der Aye Aye Pirsch aus nächster Nähe beobachten, wie die Aye Aye Lemuren die präparierten, zwischen zwei Baumstämmen eingeklemmten Kokosnüsse mit ihren Biberzähnen und scharfen Krallen aufgebrochen haben. Mit ihren langen Mittelfingern haben sie in einem Eiltempo die Frucht aus den Kokosnüssen entnommen. Das Gelände war mit zwei Strahlern ausgeleuchtet. Hiervon ließen sich die Aye Aye aber nicht abschrecken. Auch unsere Gegenwart schien sie nicht sonderlich zu stören, obwohl wir das Geschehen aus nächster Nähe beobachtet haben. Nach einem einstündigen Streifzug durch
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den Tropenwald auf der Insel sind wir mit dem Boot zu unserer Lodge zurückgekehrt. Danach wurde uns das Abendessen serviert und wir konnten bei einem Bier oder Wein das Erlebte verarbeiten. Zum Abschluss gab es natürlich ein Glas Rum arrange. Gegen 22:30 haben wir uns in unsere Bungalows zurückgezogen. An die ungewohnten Geräusche, die aus dem Urwald tönten, musste ich mich erst gewöhnen. Wie gut, dass ich in einem geschützten Raum, unter dem Moskitonetz, in meinem Bett lag. Nach einigen Minuten bin ich dann doch eingeschlafen. Es war wieder einmal ein Tag, vollgepackt mit vielen neuen, interessanten Eindrücken!
Samstag, 22.Nov.
Nachdem die im Park freilaufenden Lemuren für ordentlich Radau sorgten war die Nacht um 06:00 Uhr zu Ende. Nach einem kurzen Spaziergang am nahen gelegenen Strand haben wir uns um 07:30 Uhr zum Frühstück getroffen. Zuvor hatte ich meine sieben Sachen im Rucksack zur Abreise verstaut. Nach einer Stunde haben wir uns von unserem Gastgeber verabschiedet und haben gegen 08:40 unsere Rückreise von Akanin‘ Nofy mit dem Boot angetreten. Bei der einstündigen Fahrt durch die engen Passagen des Kanals konnten wir das Leben der einheimischen Bevölkerung aus nächster Nähe beobachten. Ankunft in Manambato gegen 09:50. Dort wartete Theo mit unserem Bus auf uns. Nach der Fahrt über die 7 km lange Zufahrtstrasse sind wir auf die N2 nach Brickaville aufgebrochen. Die Stadt wurde nach dem französischen Architekten Bricka Noch während der Kolonialzeit wurde der Ort, aufgrund seiner Verdienste, nach ihm benannt. Er hat viele Gebäude nach seinem Stil geplant und damit das Stadtbild von Brickaville entscheidend geprägt. Gegen 15:45 Uhr haben wir in Andasibe das uns von der Hinfahrt bekannte Resort Relais Mantadia Lodge erreicht. Hierauf haben wir uns nach der anstrengenden Fahrt sehr gefreut. Nachdem wir unsere Rucksäcke im Bungalow verstaut hatten, habe ich mich mit Eva auf der Terrasse des Restaurants getroffen. Hierbei hat uns der sympathische Restaurantleiter Marcel (33 J.) einen Espresso Doppio serviert. Mit ihm haben uns einige Zeit unterhalten. Hierbei haben wir erfahren, dass er nach neun Jahren Berufserfahrung gerne im Ausland, vorzugsweise in Europa oder Kanada arbeiten würde. Leider ist ihm dies nicht möglich, weil er vom Staat z. Zt. kein Ausreisevisum erhält. Im Übrigen würde der Staat im Ausnahmefall von ihm verlangen, dass er für die Dauer des Auslandsaufenthaltes eine verbindliche Bestätigung des Arbeitgebers benötigt, der ihm eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis garantiert. Freie Berufswahl sieht eben anders aus. Vor dem Abendessen habe ich mich zum Schwimmen im wunderbar angelegten Pool und anschließend zum Relaxen auf die Terrasse meines Bungalows zurückgezogen. Gegen 19:00 Uhr haben wir uns zum Diner im stilvollen Restaurant mit unserem Guide Gabi verabredet. Als Vorspeise hatte ich mir gedünstetes Gemüse und zum Hauptgang gegrilltes Fleisch (sehr zart) vom Zebu (madagassisches Rind mit einem kleinen Höcker) mit Reis bestellt. Es hat hervorragend gemundet!!
Sonntag, 23. Nov.
Nach dem Frühstück Abfahrt vom Relais Mantadia Lodge zum frühmorgentlichen Besuch des 810 ha großen Reservates von Analamazzotra. Wir befanden uns in einer Höhe von 930 bis 1.000 Meter über dem Meeresspiegel im Reich der geheimnisvollen Indri-Lemuren mit ihren markanten kilometerweit zu hörenden Rufen. In dem Reservat leben weitere 13 Lemurenarten. Wir konnten auf Pfaden durch den Urwald, die rund drei Stunden dauerte, diverse Vogelarten und Chamäleons
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bewundern. Eine einmalige Naturlandschaft, durchzogen von kleinen Bächen und einem groß angelegten See. Uns wurde eine großartige und einmalige schöne Naturlandschaft von einem Guide vor Ort präsentiert. Anschließend kamen wir zu einem gemeinsamen Lunch zusammen, bevor wir gegen 12:30 Uhr unsere Rückfahrt nach Tana antraten. Unser Fahrer Theo hatten mit dem Bus am Eingang vom Reservat auf uns gewartet. Gegen 16:30 Uhr wurden wir in Tana vom Personal des Radisson Blue Waterfront freudig erwartet. Nach dem kurzen Wiedereinchecken haben wir unsere „neuen“ Zimmer für eine Nacht bezogen. Gegen 19:00 Uhr haben wir uns zum Abendessen im Hotelrestaurant in Gegenwart von Elisa (Ehefrau vom Gemmologen Bepi) getroffen. Wir haben uns dann mit Blick auf die kurze Nacht um 21:30 Uhr zur Bettruhe zurückgezogen.
Montag, 24.11. Nov.
Um 01:30 Uhr wurden wir geweckt. Abfahrt um 2:00 Uhr. Das Hotel hat uns, wer wollte, ein Lunchpaket mit auf den Weg gegeben. Transfer mit dem Bus zum Flughafen nach Tana mit Gabi und Theo. Gabi hat uns bis zum Check-in im Flughafengebäude begleitet und sich herzlich von uns verabschiedet. Der Abschied ist uns nicht leichtgefallen. Sie war in Kombination mit Theo eine wertvolle Begleiterin für die vorgegangene Rundreise in den Osten. Mal schauen, was uns in dieser Hinsicht bei der Rundreise in Norden angeboten wird.
Inlandsflug mit einer Propellermaschine der inländischen Fluggesellschaft Madagasikara Airways von Tana nach Diego Suraez (landesprachlich Antsiranana). Wir haben das Flughafengebäude nach dem Boarding verlassen und sind zu Fuß auf dem vorgegebenen Weg zum Flieger gegangen. Das ist mal ein anderes Feeling vor Flugbeginn. Pünktlich um 04:30 hebt die Propellermaschine von Madagaskar Arilines ab. Die Geräuschkulisse im Flieger war lauter als im Düsenjet, aber noch im angenehmen Bereich. Ich konnte mich mit meiner Nachbarin Biggi entspannt unterhalten. Nach einer halben Stunde bekam wir ein kleines Tütchen mit einem Minisnack und ein Becher Café. Der Flug in den Morgen war insgesamt sehr angenehm und ruhig. Nach 1 1/2 Stunden sind wir in Diego Suraez gelandet. Auch hier sind wir, nachdem wir den Flieger verlassen haben, zu Fuß zum kleinen Flughafengebäude gelaufen. In kurzer Zeit konnten wir unser Gepäck in Empfang nehmen. Wir wurden mit zwei SUVs abgeholt und zum Hotel Le Suarez, dass etwas außerhalb lag, gebracht. In Sichtweite konnten wir einer der bekannten Sehenswürdigkeiten von Diego Suraez, den Zuckerhut, bewundern. Nach der Ankunft im Hotel haben wir unsere Bungalows bezogen. Diese waren landestypisch und geschmackvoll ausgestattet. Auch hier wieder ein Moskitonetz über dem Bett. Meine von zu Hause mit genommener, faltbarer Variante, die mir Christina und Jonas ausgeliehen hatten, musste ich zum Glück nicht auspacken. Dies ersparte mir den Aufwand, sie wieder in den ursprünglichen, gefalteten Zustand im Koffer einzupacken. Dies sollte auch bis zum Ende unserer Reise so bleiben. Danach haben wir das erste Frühstück im Hotel eingenommen. Gestärkt und trotzdem noch leicht erschöpf von der frühen Anreise haben wir die Zeit bis zum Mittag genutzt uns am Pool zu erholen und zu erfrischen. Gegen 13:30 haben wir uns beim Lunch gestärkt. Danach wieder ab an den Pool. Es war an diesem Tag einfach zu heiß (33 ° im Schatten), um etwas zu erkunden, zumal sich für den frühen Nachmittag unser Guide angekündigt hat. Unsere Reiseführerin (Farina) für die nächsten Tage bei der Rundreise durch den Norden von Madagaskar ist gegen 16:00 Uhr im Hotel eingetroffen. Sie hat sich kurz vorgestellt und uns die wichtigsten Infos für die Abreise (7:30 Uhr) am nächsten Tag nach Joffreville gegeben. Danach haben wir kurz überlegt, wie wir die
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Zeit bis zum Abendessen nutzen wollten. Schließlich wollten wir uns auch einen Eindruck von der Gegend und der Stadt machen. Die Nordspitze von Madagaskar liegt in einer malerisch schönen Bucht mit dem vorgelagerten Zuckerhut. Die ersten europäischen Entdecker dieses paradiesischen Fleckens Erde waren um 1500 die portugiesischen Seefahrer Diego Diaz und Fernando Suraez, nach ihnen wurde die Stadt von den Franzosen benannt. Zyklone beendeten hier an den Korallenriffen ihre geplante Seereise nach Indien. 1885 errichteten die Franzosen in Diego Suraez, nahe dem heutigen Stadtzentrum eine Militärbasis mit 100 Legionären. Die Stadt entwickelte sich im Laufe der Zeit als kosmopolitisches Zentrum im Norden der Insel. Sie wird als lebensfroh und lebendig beschrieben und verfügt über einige historische Bauten aus der Kolonialzeit. Daher waren wir an einem Kurztrip sehr interessiert. Eva nahm Kontakt mit der Rezeption auf. Diese organisierte ein Tuck Tuck (Arpe mit drei Rädern) mit einem bekannten Fahrer. Mit ihm sind wir (Biggi, Bettina und ich) dann zu einem anderthalbstündigen Trip losgedüst. Wir haben uns mit ihm kaum unterhalten können, aber er hat es trotzdem verstanden, uns auf der Tour die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu zeigen. In dem Verkehrsgewühl quälten sich unzählige Tuck Tuck durch die Stadt. Für viele ist sie eine einträgliche Einnahmequelle, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir sind mit unserem Fahrer auch durch enge Gassen über einem Markt gefahren. Hier haben wir auch die landestypischen Gerüche mitbekommen und waren in sehr engen Kontakt mit der Bevölkerung. Wir hatten hierbei nie ein ungutes Gefühl. Die Menschen schauten zum Teil interessiert, waren aber in keiner Weise aufdringlich. Als es anfing zu Dämmern und Dunkel wurde, hat uns der Fahrer zum Hotel zurückgebracht. Wir waren froh, dass wir diesen Trip unternommen haben. Ansonsten wäre uns vieles Sehenswerte entgangen. Um 19:30 haben wir uns am Pool zum Apero verabredet. Hierbei haben wir uns eine Zeit mit Miro, dem Hotelmanager und Sohn des Eigentümers (beide Deutsche) angeregt unterhalten. Nach einer guten halben Stunde wurde unser Abendessen serviert. Ein 3 Gang Menü. Vorab gab es als Vorspeise ein Tomaten-Carpaccio, als Hauptgericht Crevetten mit Reis und als Nachspeise ein Double Glace Becher mit (Erdbeere/Minze). Zum Abschluss an der Bar einen Absacker. Wie könnte es anders sein: natürlich ein Glas Rum arrange, in verschiedenen Varianten, der es aber in sich hatte (ziemlich stark)!! Gegen 23:00 war Bettruhe angesagt, weil es ja am nächsten morgen früh zum nächsten Ziel ging.
Dienstag, 25.Nov.
6:00 Uhr Wecken, anschließend um 06:30 zum Frühstück, danach schnell zurück zum Bungalow, um das Gepäck zu holen. Pünktlich um 07:30 waren unsere Fahrer und unser Guide zur Stelle. Wir sind mit ihnen nach Joffreville zu unserem nächsten Quartier, die Nature Lodge, aufgebrochen, bevor wir den in der Nähe gelegenen Naturpark Montagne D* Ambre besuchten. Das Städtchen Joffreville (dazu später mehr) liegt südwestlich von Diego Suraez. Die Nature Lodge verfügt über eine großzügige Terrasse. Auch der Innenbereich ist sehr geschmackvoll und landestypisch eingerichtet. Die Anlage ist sehr weitläufig und bietet einen grandiosen Ausblick über Joffreville. Die Bungalows verfügen alle über eine eigene Terrasse und sind ebenfalls sehr geschmackvoll eingerichtet (mit einer gemütlichen Couch). Es lässt keine Wünsche offen, sodass wir unseren Aufenthalt in vollen Zügen genießen können. Nach unserer Ankunft gab es einen Willkommensdrink. Danach haben wir unsere Quartiere bezogen, bevor wir gegen 09:00 Uhr zum Nationalpark gefahren sind. Vorher haben in einem nahen gelegenen Restaurant die Auswahl für unser Mittagessen (Poule‘ mit Curry, Reis & Pommes) getroffen.
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Anschließend gegen 09:30 Einchecken an der Einfahrt zum Nationalpark Montagne D‘ Ambre. Jeder Besucher musste sich mit seinen Personalien in einem Buch eintragen. Mit dem SUV sind wir in den Park eingefahren. Die Fahrt hat ca. 15 min. auf einem stark ansteigenden Pfad gedauert. Kurz vor dem Ausstieg machten wir einen Stopp. Einem der Fahrer hatte am Wegesrand eine große Ringelnatter entdeckt. Die haben wir natürlich aus nächster Nähe begutachtet. Danach starteten wir unsere ca. dreistündige Tour mit unserem Guide Farina durch den 18.200 ha (182.000.000 m² = 182 km² = 25.500 Fußballfelder!) großen, wunderschöne Park. Er beherbergt sieben Lemurenarten (diesmal sind wir keiner begegnet), über 70 Vogel- und 24 Amphibienarten. Folgende Tiere haben wir in freier Wildbahn gesehen:
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Echsen, Libellen, Chamäleons
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Vögel; u.a. den Webervogel, der sich zum Nestbau ehemalige Wespennester zu eigen macht. Eines davon haben wir über einem kleinen Bach bewundert.
Farina führte uns durch das Dickicht zu einem relativ großen See. Hier legten wir nach ca. einer Stunde eine kleine Rast ein. Dabei hatten wir Gelegenheit die wunderbare Lage und Ruhe zu genießen. Leise drangen die Geräusche aus dem Urwald. Der See war umgeben, quasi eingebettet, von großen Bäumen. Er wird aus den umliegenden Wasserfällen bzw. deren Abläufe gespeist. Am Ufer zeigte uns Farina das Vulkangestein. Hierbei erklärte sie uns, dass es sich bei dem See um einen ehemaligen Vulkankrater handelt. Anschließend führte uns Farina an einen heiligen Ort. Dort stürzen zwei Wasserfälle in einen kleinen See. Die Einheimischen kehren zu diesem Ort, der in ihnen einen besonderen Spirit auslöst und ihnen Kraft verleiht. Angeblich nehmen sie diesen Spirit nach ihrem Aufenthalt mit, um ihn auf Bedürftige übertragen zu können. Nach einer weiteren halben Stunde sind wir an einer Stelle angekommen, wo wir einen kaskadenartigen Wasserfall bestaunen konnten. Ein ebenfalls mystischer Ort mitten im Urwald. Nachdem wir ein Gruppenfoto mit unseren Handys geschossen haben, zogen wir weiter. Zum Abschluss unserer Tour hat Farina auf einem Art „Campingplatz“ unter Kiefernadeln das kleinste Chamäleon gesucht und auch gefunden. Danach ging es mit den PKWs nach Joffreville zu unserem Picknick. Die Stadt verdankt ihrem Namen dem Marschall Monsieur Joffre, der zu der Kolonialzeit in diese Region das Militärregiment führte. Er hat diesen Ort, aufgrund seiner Höhenlage, bewusst als Standort gewählt. In der kühlen Bergluft konnten sich die auf Madagaskar stationierten Soldaten der französischen Fremdenlegion ab dem Jahre 1950 erholen. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich der Ort mit Leben gefühlt und sich zu einem kleinen Mittelzentrum entwickelt.
12:30 Picknick im Gartenrestaurant wo uns die am Morgen georderten Speisen und Getränke serviert wurden. Zum Nachtisch wurden uns flambierte Bananen und Mangos kredenzt. Nach eineinhalb Stunden sind wir in unser Quartier Nature Lodge gefahren. Bei einem Espresso auf der Terrasse haben Biggi, Eva und ich die Eindrücke von unserer Exkursion Revue passieren lassen und die herrliche Aussicht in die weite Naturlandschaft genossen. Im Anschluss das tägliche Ritual. Die Fotos wurden in die Celebrate APP (Tipp von Bettina) eingestellt und Nachrichten per Whats App an die Lieben in der Heimat verfasst. Meine Notizen habe ich im Anschluss auf der Terrasse meines Bungalows verfasst. Dabei habe ich mir gedacht, es gibt tatsächlich „schlimmere“ Orte, um seine Gedanken zu Papier zu bringen. Denn die Terrasse bietet einen herrlichen Ausblick auf die nahe gelegene Bergkette und sogar auf das Meer an der weit entfernten Stadt Diego Suarez. Sogar der berühmte Zuckerhut lugt ein wenig hervor. Der Bungalow lies keine Wünsche offen. Vor
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dem Abendessen habe ich mich frisch gemacht. Herrlich! Gegen 19:00 Uhr haben wir uns zum Abendessen getroffen und den Tag Revue passieren lassen. Es war wie immer eine gemütliche und lustige Runde. Danach haben sich alle in ihre Bungalows zurückgezogen. Am späten Abend bzw. in der Nacht hat es sich deutlich abgekühlt. Daher habe ich es mir mit einem Buch auf dem bequemen Sofa im Bungalow gemütlich gemacht.
Mittwoch, 26.11. Nov.
Nach dem Frühstück Abfahrt um 7:30 Uhr nach Ankarana (Richtung Süden). Nach zwei Stunden Fahrt sind wir im Naturreservat Tsingy rouge angekommen. Farina führte uns durch eine besonders schöne Naturlandschaft. Das Areal war durchzogen mit rotem Laterit-Böden und sehr ausgeprägten Kristallausbildungen. Nach zwei Stunden sind wir zu unseren Fahrzeugen zurückgekehrt und haben unsere Fahrt fortgesetzt.
13:00 Imbiss. Dort kehrten sowohl Einheimische als auch Touristen ein. Der Geräuschpegel war ziemlich laut und vom Interieur nicht sehr einladend. Ich behauptete, dass keiner von uns das Lokal eigenständig ausgesucht hätte. Aber, das Essen war gut und reichlich. Nach einer Stunde Pause sind wir in das angrenzende Naturreservat mit einzigartigen Kalksandsteinformationen gefahren. Angelina hatte einen eigenen Führer engagiert. Diese Tour entwickelte sich zur anspruchsvollen Klettertour. Hierbei taten sich einige Teilnehmer schwer. Farina ging vorneweg und hat die Lage diesbezüglich nicht eingeschätzt. Im Nachhinein hätten wir uns für diese Tour unseren Guide Gaby gewünscht. Belohnt wurden unsere Anstrengungen mit herrlichen Ausblicken in eine faszinierende Landschaft. Gegen 15:00 sind wir zu einer großen Höhle hinabgestiegen. Diese Strapaze haben sich Eva und Sandrine erspart. Eigentlich hätte Farina hierauf Rücksicht nehmen müssen. Wir sind dann zu Dritt (Farina, Biggi und ich) in die Höhle eingetaucht und haben uns dort eine gute halbe Stunde aufgehalten; wir wollten die beiden nicht zu lange warten lassen. Wir konnten Hunderte von Fledermäusen bestaunen. Im hinteren Bereich auch seltene Spinnen. Gegen 16:00 haben wir uns auf den Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt gemacht. Wir haben hierfür eine gute Stunde benötigt und waren froh, wie wir ihn erreicht haben. Zur Ankarana Lodge war es nicht weit, sodass wir gegen 17:00 Uhr dort einchecken konnten. Eva und ich haben uns einen Espresso am Pool gegönnt, bevor es dann zum Duschen in den Bungalow ging. Er lag fußläufig wenige hundert Meter vom Pool und Restaurant entfernt und war sehr geräumig. Er verfügte über eine große Außenterrasse. Dort habe ich mich umgeschaut und den vielen Tiergeräuschen aus dem Reservat gelauscht. Wir waren mitten in der Natur. Fantastisch!!
Wir hatten uns vor dem Abendessen gegen 18:30 Uhr zum Apero an der Pool-Bar verabredet. Dort saß auch Michael Horn, Inhaber des Reiseveranstalters Le Voyageur, ansässig in der Schweiz und Madagaskar. Er ist zeitgleich mit einer weiteren Reisegruppe im Norden unterwegs, auch um einige Quartiere zu begutachten. Michael ist mit einer Madagassin verheiratet und pendelt zwischen der Schweiz und Madagaskar. Er betreibt das Tourismusunternehmen seit vielen Jahren und organisiert weltweit ausschließlich Reisen für Reisende in Madagaskar. Nach einer Stunde sind wir das in unmittelbarer Nähe gelegene Restaurant aufgebrochen. Es ist mit einer großen Bar ausgestattet und präsentiert sich in offener Bauweise. So hatten wir rundherum einen Ausblick in die Natur und waren vor evtl. Niederschlägen trotzdem geschützt. Nicht unwichtig, denn unsere Reise nach Madagaskar fällt in die Regenzeit. Bisher zogen am Abend regelmäßig Gewitterzellen auf, sodass sich die Natur über den Regen freuen konnte. Nach dem Essen gab es den
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obligatorischen Rum arrange. Danach zogen sich, wie immer, Angelina und Sandrine in ihren Bungalow zurück. Danach folgte Bettina, die wie wir alle, von den Strapazen unserer Tagestour ziemlich geschafft war. Das verbleibende Trio zog sich gegen 22:00 zurück. Ich habe dann noch eine Stunde im Bungalow in der bequemen Lederliege gelesen, bevor ich mich unter das Moskitonetz im Bett begeben habe. An die Geräusche aus dem Outback musste ich mich erst ein bisschen gewöhnt, bevor ich dann doch entspannt einschlafen konnte.
Donnerstag, 27.Nov. Ankarana
6:30 Frühstück; wie so oft fand sich unsere Gruppe in folgender Reihenfolge ein. Zuerst Sandrine, Angelina und meine Wenigkeit. Dann folgten Eva und Bettina. Zuletzt gesellte sich Biggi dazu.
Pünktlich erschienen Farina und die beiden Fahrer mit den SUVs zum verabredeten Zeitpunkt, sodass wir gegen 7:30 zum Naturreservat Ankarana aufgebrochen sind. Gegen 08:00 startete unsere Wanderung durch eine spektakuläre, schöne Landschaft. Wie auch schon am Vortag hatte Angelina einen privaten Guide engagiert und sich für die sanftere Tourvariante entschieden. Sie ist schließlich unser Oldie. Sie muss schließlich, aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters (76), ihre Kräfte für die gesamte Tour gut einteilen. Das macht sie bisher ausgezeichnet und ist bei allen Tagestouren mit von der Partie. Sie hat unseren vollen Respekt dafür verdient und sie ist eine echte Bereicherung für die Gruppe.
Am Anfang sind wir durch den Tropenwald gegangen. Hierbei hatte uns Farina auf einig besondere Tierarten aufmerksam gemacht, sodass wir genügend Gelegenheit hatten mit unseren Handys die Eindrücke im Bild für die Zeit danach festzuhalten. Nach gut 1 ½ Stunden erreichten wir das Gelände mit den Kalksteinformationen. Am Ende unseres ersten Teils erreicht wir zwei Schluchten, die wir mittels einer kleinen sowie größeren Hängebrücke überquerten. Am anderen Ende der Schlucht stand ein Unterstand mit Bänken. Dort haben eine kleine Rast eingelegt und die Aussicht genossen. Auf dem Rückweg hatten wir das Glück, eine Lemurenfamilie (Mama und Papa mit einem Jungtier) aus nächster Nähe ausgiebig zu beobachten. Ebenso konnten wir eine Schlange und einige Chamäleons bestaunen.
12:00 bis 13:00 haben wir an der Stelle vom Vortag am Eingang vom Naturpark einen Imbiss eingenommen. Danach sind wir mit den PKWs zu der in der Nähe befindlichen Lodge zurückgekehrt. Die Zeit bis zum Apero am Abend haben wir am Nachmittag mit Relaxen, Schwimmen im Pool, WhatsApp-Nachrichten schreiben sowie Notizen ins Buch schreiben, verbracht. Zur Abwechslung zeigten sich am späten Nachmittag im angrenzenden Busch zahlreiche Lemuren, die ordentlich Krach machten. Nach dem obligatorischen Apero gingen wir zum Abendessen ins Restaurant. Uns fiel auf, dass mindestens vier bis fünf Kellner*innen bereitstanden, um uns zu bedienen. Allerdings waren sie bei weitem nicht so aufmerksam wie in der Vorwoche in der MANTADIA Lodge in Andasibe. Gegen 22:00 Uhr haben wir uns in der bekannten Reihenfolge brav und solide in unsere Bungalows zurückgezogen. Nach der Bettlektüre bin ich vor Mitternacht unter dem Moskitonetz eingeschlafen.
Freitag, 28.Nov.
Um 02:30 wurde ich in der Nacht durch mehrmaliges massives Kloppen an meiner Eingangstür abrupt aus dem Schlaf gerissen. Normalerweise habe ich keinen tiefen Schlaf, war aber offensichtlich durch die Anstrengungen an den Vortagen ziemlich müde. Ich hörte, wie eine
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Frauenstimme meinen Namen Oreste mehrfach rief. Es hatte einige Sekunden gedauert, bis ich realisiert habe, dass es Biggis Stimme war. Erstmal war ich kurz erleichtert, dass es kein Fremder war. Biggi klang sehr aufgeregt. Ich öffnete die Tür und blickte in ihr entsetztes Gesicht. Sie klagte über starke Schmerzen am Fuß; speziell am dicken Zeh, der rot angeschwollen war. Ich ging mit ihr in ihren gegenüberliegenden Bungalow und schaut mir das Dilemma an. Biggi zeigt mir die betroffenen Stellen. Der Zeh war auffällig rot, aber nicht übermäßig dick angeschwollen. Sie klagte darüber, dass der starke Schmerz über ihre Wade, den Oberschenkel bis in den Leistenbereich ausstrahlt. Ich habe als Erstmaßnahme schnell einen nassen Waschlappen sowie eine kühlende Salbe aus meinem Bungalow geholt. Die Salbe habe ich auf dem rot angelaufenen Zeh aufgetragen und ihn anschließend in dem Waschlappen eingewickelt. Anschließend habe ich Biggis Schlafstätte unter dem Moskitonetz nach Tieren untersucht, aber hierbei nicht entdecken können. Nachdem ich in ihrem Zimmer keine Auffälligkeiten feststellen konnte bzw. einen Übeltäter nicht finden konnte, habe ich versucht, Biggi danach ein wenig zu beruhigen. Dies ist mir nur bedingt gelungen. Ich habe ihr empfohlen sich ein bisschen zu entspannen und ggfs. eine Schmerztablette zu nehmen, für den Fall, dass der Schmerz zunimmt. In jedem habe ich ihr gesagt, dass ich nach einer Stunde bei ihr noch einmal vorbeischaue, um nach dem Rechten zu sehen. Ich ging wieder in meinem Bungalow und konnte danach aber nicht mehr einschlafen, weil ich auf halb acht Stellung war. Wie versprochen bin ich nach einer Stunde zu Biggi gegangen. Die Lage war unverändert, auch der Schmerz. Es schien aber nicht schlimmer zu sein. Daher haben wir beschlossen, gegen 06:00 den Rat von Eva hinzuziehen. Ich bin dann noch einmal in meinen Bungalow und nach Ablauf der Zeit zu Eva gegangen. Ich habe ihr die Lage kurz geschildert. Danach sind wir gemeinsam zu Biggi gegangen und beratschlagt, wie wir ihr helfen können. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir Michael Horn konsultieren, der in der Regel vor dem Frühstück an der Poolbar sitzt. Er hatte uns an den Hotelbetreiber Jürgen (gebürtig aus BW) verwiesen. Er könnte die Lage am besten einschätzen, ob und wo wir ärztliche Hilfe finden. Er kam am Frühstück gegen 06:30 an unseren Tisch, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung sei. Nachdem wir ihm das Problem von Biggi geschildert haben, schlug er vor, sie in den Wagen zu setzen und Hilfe bei unserer nächsten Station in Nosy BE aufzusuchen. Denn in der Nähe von Ankarana ist kein geeigneter Arzt verfügbar. Hierfür müssten wir zurück an Diego Suraez fahren, was einen nicht unbedeutender zeitlicher Aufwand bedeuten würde. Daher sei es sinnvoller unsere Fahrt nach Nosy Be fortzusetzten, weil dort die nötige Infrastruktur für eine ärztliche Versorgung existiert. Vor unserer Abfahrt habe ich Biggi eine Tasse Tee sowie ein kleine Portion Früchte in den Bungalow zur Stärkung gebracht. In der Zwischenzeit hat einer der Fahrer den PKW präpariert, indem er den Rücksitz großzügig positioniert hat, damit Biggi ausreichend Platz findet, um ihr betroffenes Bein zu lagern. Die betroffene Stelle haben wir Coolpackage versorgt. Dies hat zumindest vorrübergehend für leichte Linderung gesorgt, sodass sich die Situation nicht verschlimmert hat. Unter dieser Voraussetzung haben wir unsere Reise nach gegen 07:30 ANKFY fortgesetzt. Unterwegs passierten wir das langgezogene hübsche Städtchen Ambilobe am Mahavavy-Fluss. Dort stockt unsere Fahrt, weil zwei Brücken durch den vor zwei Jahren in dieser Region gewüteten Zyklon zerstört wurden. Er war so massiv, dass die Aufräumarbeiten sowie die Wiederherstellung der Brücken andauerten. In den Feldern rund um den Ort wird ein Großteil der madagassischen Zuckerrohernte bewirtschaftet und in einer in der Nähe liegende Fabrik verarbeitet. Ein Teil hiervon wird für die Herstellung von Rum genutzt. Ein wichtiger Arbeitgeber sind auch die Kakao- und Gewürzplantagen. Auf der weiteren Fahrt haben wir am Straßenrand der
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N6 eine Kakao- und Gewürzplantage besichtigt. Ein örtlicher Guide hat uns über das Gelände geführt und uns Kakaofrüchte gezeigt und uns probieren lassen. Ebenso haben wir Bananenstauden und Ananasfrüchte probiert. Dort hatten wir Gelegenheit an einem Verkaufsstand uns mit kleinen, abgepackten Gewürztüten (u.a. Kokuma, Massala- und Zimt) einzudecken. Danach setzen wir unsere Fahrt auf der N6, die übrigens in einem deutlich besseren Zustand als die N2 (Tana / Tomasina) ist, fort. Erst gegen Ende der Strecke, nachdem wir die N6 verlassen haben, sind wir weitgehend über eine Schotterpiste gefahren. Gegen 11:30 haben wir das Hafengelände von ANKFY erreicht. Von dort fahren auch Fährschiffe nach Nosy Be. Am Nachmittag dürfen sie aufgrund des häufig auftretenden Wellengangs nicht mehr zur Parfüminsel mit ihrer tropischen Bilderbuchlandschaft schippern. Zum Glück waren wir zeitig vor Ort, sodass wir eine relativ ruhige Überfahrt mit dem Boot hatten. Zuvor wurden unsere Reisepässe gecheckt. Einige Männer brachten danach unser Gepäck zu dem Boot. Der Transfer dauert ungefähr eine gute halbe Stunde. Nachdem wir ausgecheckt haben, wurden wir von „trinkgeldfreudigen“ Jungs in Empfang genommen. Sie luden unser Gepäck in den Hotelbus, der uns zum Hotel Anjiamarango brachte. Wir fuhren am u.a. am Flughafengelände vorbei uns sind nach einer halben Stunde am Hotel angekommen. Wir wurden mit einem Begrüßungsdrink von zwei netten Damen empfangen. Nach kurzer Zeit erschien auch der Patron des Hotels. Zunächst einmal hat er sich unserer Patientin Biggi angenommen, nachdem sie ihm ihr Problem geschildert hat. Souverän hat er die Lage kurz und knapp eingeschätzt. Die Symptome deuten eindeutig auf einen Skorpion-Biss hin. Er besorgte die hierfür erforderlichen Medikamente, um das Problem schnell beheben zu können. Er sagte das ein Arzt oder gar Klinikbesuch nicht notwendig sei. Er hätte gute Erfahrung mit den Medikamenten gemacht. Nach der Erstversorgung mit einer Salbe, setzte er seine Begrüßungsansprache fort und informierte uns die wesentlichsten Details, die für unseren viertägigen Aufenthalt in seinem Hotel von Bedeutung sind. Danach haben wir unsere Strandbungalows in Meeresfront in erster Reihe mit direktem Blick auf den Ozean bezogen. Herrlich! Bis zum Strand sind es nur wenige Meter! Welch ein Aussicht von der kleinen Terrasse und aus dem Bungalow bei geöffneter Schiebetür. Die Fenster sind mit Shuttern aus Holz ausgestattet; ohne fest Verglasung. Dadurch kann im geöffneten Zustand jederzeit Frischluft ins Zimmer eindringen. Das Bett steht zentral im Raum, sodass man von dort aus einen unverbauten Blick, bei geöffneter Tür, direkt auf den Strand hat. Ebenso ist der Bungalow mit einer großzügigen Couch ausgestattet, die ich aber, wie sich bei der Abreise rausstellen sollte, nicht nutzen musste. Das Leben hier spielte sich komplett im Freien ab. Welch ein besonderes Lebensgefühl!
13:00 erster Lunch im Restaurant im EG. Auch von dort hat man einen direkten Blick aufs Meer. Mit dieser Aussicht schmeckt das Essen noch einmal besser. Am Nachmittag konnte, wer wollte am Pool relaxen. Ich habe in jedem Fall die Gelegenheit, so wie Eva und Biggi, genutzt. Bettina hat sich nach dem Lunch im Bungalow ausgeruht und danach ein wenig die nähere Umgebung erkundet. Am Abend haben wir uns im Restaurant im I.OG zum Apero getroffen. Dort spielte eine Band Live Musik bis in den späten Abend. Wir sind zum Diner ins EG gewechselt. Die Band ist uns und den anderen Gästen später gefolgt und hat uns mit toller Musik bis ca. 22:00 unterhalten.
Samstag, 29. Nov.
Ich bin um 06:00 aufgestanden und anschließend eine gute halbe Stunde am Strand spazieren gegangen und hierbei die ersten Muscheln als Andenken zu sammeln. Danach habe ich meine Bahnen im Pool gezogen. Nach dem Duschen im Bungalow ging ich gegen 08:00 zum ersten
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Frühstück. Danach sind wir zum Shop gegangen, um das Angebot zu checken. Es wurden relativ hochwertige Souvenirs angeboten. Ich habe entschieden, den Kauf auf die nächsten Tage zu verschieben und bin zur Rezeption gegangen, um die dort aufgestellten Postkarten samt Briefmarke zu erstehen. Zuvor habe ich in den anderen Orten keine Postkarten entdecken können. Das war die Gelegenheit, um meinen Töchtern und Schwiegersöhnen sowie meiner Patentante Marlene Grüße aus Afrika zu schicken. Zumal die Postkarten im Inselformat von Madagaskar originell aussahen; ebenso die Briefmarken, sodass mir dies eine runde Sache schien. Damit die Postkarten nicht erst nach Weihnachten ankommen sollten, habe ich mich unmittelbar nach dem Kauf daran gesetzt diese zu schreiben uns danach an der Rezeption zum Versand abzugeben. Danach habe ich mich ins Meer zum Baden begeben. Bei einer Wassertemperatur von gefühlten 28 ° keine wirkliche Abkühlung. Ich musste weit ins Meer gehen, um halbwegs Wasser unter meine Körper zu kriegen, weil die Bucht so flach war. Um 13:00 Uhr haben wir uns im Restaurant zum Lunch getroffen. Ich hatte geräucherten Fisch mit Pommes gewählt. Weil das alles so „anstrengend“ war, habe ich mich zum Relaxen auf die Liege neben meinem Bungalow zurückgezogen. Schließlich diente der Aufenthalt auf der Insel Nosy Be auch als Belohnung für die zum Teil anstrengenden Exkursion in den vergangenen zwei Wochen. Zur vor hatte ich mich mit Bettina und Biggi zum Schnorcheln in der vor dem Hottel liegenden Bucht verabredet. Zum Glück ging es Biggi nach der ersten Nacht wieder so gut, dass sie keine Schmerzen mehr hatte und auch keine sonstigen Einschränkungen. Der Patron hatte recht behalten und richtige Therapie „verordnet“. Um 15:00 Uhr haben wir an der Rezeption das nötige Equipment ausgeliehen und sind dann zum Riff rausgeschwommen. Es war vom Strand aus gut sichtbar und zwei weißen Stangen markiert. Leider hat sich dieser Aufwand nicht gelohnt. Dass Wasser war sehr trüb und daher konnte ich kaum etwas zu erkennen. Ich daher nach kurzer Zeit etwas desillusioniert zurückgeschwommen. Hiervon hatte ich mir eindeutig mehr versprochen. Ich habe es dann vorgezogen mich am Pool niederzulassen, um dort zu schwimmen und vor dem Abendessen zu relaxen. Gegen 18:00 konnte ich den wunderschönen Sonnenuntergang genießen und die tolle Stimmung einfangen. Wie am Vortag haben wir uns wieder im Restaurant zum Apero getroffen. Hierbei haben wir zwei Schweizerin getroffen. Die Schwestern waren seit Wochen in Madagaskar in verschiedenen Regionen des Landes mit ihren Guides unterwegs gewesen. Wir tauschten uns mit Ihnen hinsichtlich der gemachten Erfahrung aus. Eine von den beiden wollte nach ihrem Aufenthalt bis Anfang nächster Woche einen Abstecher nach Reunion bis kurz vor Weihnachten machen. Die Schwester kehrte, so haben wir erfahren, mit uns am 2.Dez in die Schweiz zurück. Um 19:15 gingen wir hinunter zum Abendessen. Biggi und ich haben uns für ein Festmahl entschieden. Wir wählten einen gegrillten Lobster für 90.000 Ariar (umgerechnet € 18,00). Er war riesig und schmeckt hervorragend. Als Dessert haben wir aus vier bestellten Kokosnüssen Kokosmilch geschlürft. Anschließend haben diese aufgeschnitten, damit wir auch die weiße Frucht essen konnten. Zum Abschluss haben gegen 22:00 Uhr haben sich Eva & Biggi ein Glas Rum arrange gegönnt. Ich habe den Rest von meiner großen Flasche Bier (0365 cl) ausgetrunken. Leider gab es insbesondere zum Leidwesen von Eva an diesem Abend keinen Weißwein. Sie war außer sich, nachdem ihr bereits in Ankarana Lodge der Wunsch nach einem Glas Weißwein zunächst nicht erfüllt wurde. Angeblich war der Hauswein aus; sodass sie lediglich eine Flasche Weißwein hätte ordern können oder eben ein Glas Rose/Rotwein. Erst nach langer Diskussion mit der Frau vom Jürgen (Hotelinhaber) hat sie es geschafft, dass sie ein Glas Weißwein, abgefüllt aus der besagten Flasche, erhielt. Aber dass hier kein Weißwein mehr verfügbar war, ist ein echter
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Skandal. Uns wurde versichert, dass der Patron alles daransetzt, dass am nächsten Tag Weißwein serviert werden kann. Enttäuscht aber voller Hoffnung auf den nächsten Tag haben wir uns in die Bungalows zurückgezogen. Von meiner Terrasse habe ich das Wetterleuchten beobachtet. Ein Gewitter war im Anmarsch. Das Schauspiel habe ich von meiner Terrasse bis 00:15 Uhr draußen vor meiner Hütte, geschützt unter dem Dach, verfolgt und genossen. Zuvor hatte ich mit Gaby geskypt; herrlich, dass es diese Möglichkeit gibt! Somit kann über eine Distanz von 10.000 km miteinander sprechen und sich dabei auch sehen! An diesem Abend hatte sie mit Renate den Abend bei uns zu Hause verbracht und mit ihr gemeinsam übernachtet.
Sonntag, 30. Nov.
Um 09:00 haben wir uns an diesem 1. Advent bei 30° im Schatten zum Frühstück getroffen. Die Bedienung hatte uns an diesem Morgen sehr großzügig mit gekochten Eiern bedacht. Daher kam die Idee, aus vier gekochten Eiern einen Adventkranz zu kreieren. Davon wurde eines geköpft, sodass unser Adventkranz an diesem Sonntag den 1. Advent symbolisierte!
Nach dem Frühstück sind wir gegen 10:30 Uhr zu Dritt (Eva, Biggi und Oreste) zu einem Strandspaziergang in der einsamen Bucht aufgebrochen. Nach einiger Zeit sind wir auf Einheimische gestoßen, die am Ende der Bucht (ums Eck) in einem kleinen Dorf leben. Auf dem Rückweg begegnete uns ein Viehhirte, der seine Zebu-Herde am Strand Richtung Dorf trieb. Nach gut einer Stunde kehrten wir wieder ins Hotel zurück. Am Pool trafen wir die beiden Schwestern Gabriela und Silvia aus der Schweiz. Sie planten für morgen eine Bootstour, die vom Hotel angeboten wird. Hierbei fährt der Skipper die Gäste vom Hotelstrand zu einer in ca. 30 Minuten entferntem Eiland. Hier sollen die Bedingungen zum Schnorcheln ideal sein. Es war angedacht, dass wir nach dem Frühstück gegen 10:00 Uhr mit der Tour starten. Leider konnte Biggi, weil sie am nächsten Tag zusammen mit Angelina und Sandrine ihre Rückreise antreten musste, an der Exkursion nicht teilnehmen. Das hatte sie sehr bedauert. Daher blieben lediglich Bettina und Oreste aus unserer Gruppe übrig, nachdem sich Eva von vorneherein ausgeklinkt hatte. Daraufhin erkundigte sich Bettina bei dem Patron an der Rezeption. Er meinte, dass der der morgige Vormittag ein idealer Zeitpunkt sei. Die Wetterprognose (Gute Sicht & geringer Wind) stimmten uns positiv. Daher hegten wir die Hoffnung, dass wir diesmal gute Bedingungen zum Schnorcheln bei klarer Sicht antreffen.
13:30 Lunch & anschlie0en vier Espressi. Nach dem leckeren Essen war wieder einmal Siesta angesagt. Die Zeit wurde zum Lesen eines Buches und zum Musikhören genutzt. Unterbrochen wurde dieser Müßiggang lediglich von der Abkühlung im Pool. Herrlich! Ab 17:45 Uhr beobachten Eva und Oreste am Pool den herrlichen Sonnenuntergang, den wir mit allen Facetten verfolgten und der sich minütlich veränderte. Es war eine besondere Stimmung an diesem vorletzten Abend im Strandhotel Anjiamarango. Gegen 19:00 Uhr treffen an der Bar im I. OG zum Apero. Dort spielte ein Quartett (2 Gitarren und 2 Percussion) landestypische Musik (sehr rhythmisch) mit Unterstützung von zwei madagassischen Tänzerinnen. Mit Eva hat Oreste zwei Runden Poolbillard gespielt. Wir hatten eine Menge Spaß und stellten beide fest, dass wir ein wenig aus der Übung gekommen sind. Danach gingen wir runter auf die Terrasse zum Dinner. Und siehe da, der Patron hat sein Versprechen vom Vortag eingehalten. Im Ausschank gab es wieder Weißwein. Und die Bouillabaisse, die wir schon seit Tagen probieren wollten, stand nicht nur als Spezialität auf der Karte. Nein sie war auch zum Essen verfügbar, sodass wir vier Portionen geordert haben. Es hat
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sich gelohnt; sie schmeckte köstlich. Danach haben sich Angelina und Sandrine einen Lobster als Hauptspeise geteilt, nachdem sie die Exemplare von Biggi und Oreste am Vorabend bestaunt hatten. Zum Glück musste sich Oreste opfern, weil die Beiden an dem einen Lobster „gescheitert“ sind. Zum Abschied haben Sandrine und Angelina für jeden von uns einen Rum arrange spendiert. Mit Eva haben der Musik von dem Quartett mit den beiden Tänzerinnen, die zwischenzeitlich auch auf die Terrasse im EG umgezogen sind, gelauscht. Um 22:30 Uhr war dann leider Schluss. Danach habe ich mit Gaby & Renate auf der Terrasse meines Bungalows geskypt. Der Tag verabschiedete sich am späten Abend wieder einmal mit einem starken Gewitter. Gegen 23:45 Uhr bin ich dann bei Regen eingeschlafen.
Montag, 1. Dezember
Frühstück letztmalig in voller Gruppenstärke. Danach haben wir uns von Biggi, Sandrine und Angelina, die gegen Mittag vom Hotelbus zum Flughafen gefahren wurden, gegen 09:30 herzlich verabschiedet, in der Hoffnung, dass wir uns irgendwann in Europa wiedersehen. Dann haben Bettina und Oreste ihr Equipment zum Schnorchel an der Rezeption entgegengenommen. Gabriela hatte ihre eigene Ausrüstung dabei. Leider fühlte sich ihre Schwester Silvia nicht gut. Der Skipper sowie ein Assistent (er war für die Verpflegung auf dem Eiland zuständig) zu Dritt gegen 10:00 mit dem Boot zur Insel gefahren sind. Die Überfahrt dauerte gut eine halbe Stunde. Der Skipper sagte voller Stolz, nachdem wir das Ufer der Insel erreicht hatten: *Wir sind auf der schönsten Insel der Welt angekommen“. In der Tat war dieses Fleckchen ein wahres Paradies. Wir starteten direkt unseren ersten Tauchgang der ungefähr zwanzig Minuten dauerte. Hierbei konnten wir bei kristallklarem Wasser die Unterwasserwelt mit vielen bunten Fischen bestaunen. Wir haben sogar am Grund einen großen blauen Seestern entdeckt.
Nach einer viertelstündigen Pause starteten wir den zweiten Tauschgang auf der anderen Seite der Insel. Dieser dauerte eine halbe Stunde, wobei Gabriela ihn etwas früher beendet. Sie hatte ein bisschen die Kraft verlassen und wollte es nicht übertreiben. Danach haben uns unter einem Unterstand in den Schatten zurückgezogen. Es war in der Sonne sehr heiß! Bis dahin hatte Oreste von seinem Sonnenbrand auf dem Rücken nichts gespürt. Davon später mehr. Schlauer waren die beiden Damen, die ihren Rücken mit einem T-Shirt bzw. einem leichten Neoprenshirt geschützt haben. Oreste hatte auch ein T-Shirt dabei hatte es aber für die Rückfahrt auf dem Boot „geschont“ bzw. wollte nicht mit einem nassen Shirt zurückfahren. Obwohl bei den Temperaturen südlich vom Äquator keine Erkältungsgefahr drohte.
Zum Mittagessen gegen 12:30 Uhr präsentierte uns der Assistent gegrillten, frischen Fisch, Reis und zum Dessert frische Mangos. Köstlich!! Nach einer guten Stunde ging Gabriela dann doch noch einmal zum Schnorcheln ins Wasser gegangen. Auf einmal rief sie ganz aufgeregt. Sie hatte im seichten Ufergewässer kleine Haie entdeckt. Sie schwammen munter umher und drehten ihre Runden.
Danach packte der Assistent alles ein und ging mit einem Kollegen, der uns auf der Insel in Empfang genommen hatte, sowie dem Skipper zum Boot. Der dritte Mann sprang ins Meer und zog das Boot an Land, um es beladen zu können. Danach stiegen wir zu sechst ins Boot und legten gegen 14:00 zur Rückfahrt ins Hotel ab. Nachdem wir auf dem offenen Meer waren, entdeckte einer der Männer eine Kolonie Delphine. Sie tauchten immer wieder auf und ab. Es waren schätzungsweise 6-8 Exemplare. Der Skipper steuerte das Boot in ihre Richtung. Offensichtlich
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hatten wir ihre Neugierde geweckt. Zunächst schwammen sie vorneweg am Bug des Boots. Danach drehten wir uns mit dem Boot im Kreis. Die Delphine näherten sich immer wieder unserem Boot, sodass wir sie aus nächster Distanz beobachten konnten. Auf halber Strecke zum Hotelstrand ließ der Skipper einen Mann, der bei unserer Ankunft auf der Insel gewartet hatte, am Ufer in der Nähe eines Dorfes aussteigen. Gegen 14:30 erreichten wir mit dem Boot unseren Hotelstrand. Wir bedankten uns beim Skipper und dem Assistenten und honorierten ihren Einsatz mit einem ordentlichen Trinkgeld. Dass hatten sie sich redlich verdient; vor allen Dingen der Assistent, der uns hervorragend beköstigt hatte. Danach gingen wir erst einmal zum Bungalow und holten unsere Schwimmsachen. Beim Umziehen spürte und sah ich die Misere auf meinem verbrannten Rücken. Ich hatte die Situation völlig falsch eingeschätzt. Wie konnte ich meinen nicht eingecremten Rücken dieser intensiven Sonnenbestrahlung aussetzen. Ich wollte nur zum Pool, um mich einigermaßen abkühlen zu können. Zum Glück hatte Silvia eine gute Wundsalbe dabei. Sie hatte sie auf meinem Rücken aufgetragen, sodass ich zumindest etwas Linderung verspürte, Die Erfrischung im Pool musste warten, bis die Salbe gut in die Haut eingezogen war. Diese Prozedur wiederholten wir am Abend sowie am nächsten Morgen vor unserer Abreise. Ich zog mich in den Schatten zurück und tauschte mit Gabiela Bilder von unserem heutigen Ausflug aus. Später habe ich mit Eva eine Zeit am Pool gequatscht und dabei den herrlichen Sonnenuntergang genossen. Nach meiner Rückkehr im Bungalow habe ich meine Klamotten im Koffer verstaut. Hierbei habe ich Fläschchen mit Flüssigkeit sowie meine Muschel- und Korallensammlung zwischen den Wäschestücken gut verstaut. Die restlichen Sachen wurden am nächsten Morgen vor dem Frühstück in meinem Rucksack verstaut.
Um 19:00 Apero zu Dritt und anschließend eine dreiviertel Stunde später gingen wir an unserem Tisch auf der Terrasse im EG. Es war unser letzter Abend. auf Nosy Be. Nachdem Dinner hat sich Bettina zeitig verabschiedet. Sie hatte schon bereut, dass sie ihren Aufenthalt in diesem Quartier für einen Tag verlängert hatte und einen Tag allein im Hotel verbringen musste. Gabriela und Silvia reisten ebenfalls am nächsten Tag ab. Mit den beiden haben wir uns noch eine Zeit unterhalten und einen Absacker (Rum arrange) gegönnt.
Dienstag, 2. Dez. (Abreisetag)
Um 09:00 wurde wie immer an den Vortagen gemütlich und ausgiebig auf der Terrasse gefrühstückt. Danach haben wir unsere persönlichen Sachen aus dem Bungalow geholt und an der Rezeption bis zu unserer Abholung mit dem Hotelbus gegen 12:30 deponiert. Bis dahin haben wir es uns am Pool gut gehen lassen. Nachdem unser Fahrer pünktlich um 12:30 am Hotel vorfuhr, haben wir uns von Bettina und Silvia verabschiedet. Silvia setzt ihren Trip morgen fort und fliegt nach Reunion. Dort bleibt sie bis kurz vor Weihnachten bevor sie in die Schweiz zurückkehrt.
Pünktlich um 12:30 kam unser Fahrer und hat uns mit dem Gepäck zum Flughafen transferiert. Nachdem wir eingecheckt hatten, haben wir uns eine Weile bis zum Boarding (15:45 Uhr) in der Wartehalle aufgehalten. Gegen 16:30 hob unser Flugzeug, eine Boing 777 der Ethiopian Airlines von der Insel ab. Zum Glück hatte ich einen Fensterplatz erwischt, sodass ich von oben die Schönheit der Insel genießen konnte. Der Flug verlief ohne besondere Vorkommnisse ruhig. Wir landeten nach vier Stunden Flugzeit in Addis Abeba. Eva wollte uns mit in die Business Lounge von Ethiopian Airlines mitnehmen. Diesmal war die Dame am Empfang unnachgiebig, sodass Gabriela und Oreste nicht hineinkamen. Sie ist ausschließlich den Fluggästen aus der Business-
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Class vorbehalten. Éva konnte sich kaum beruhigen! Gabriela und Oreste haben sich in ein Lokal in der Nähe niedergelassen. Es dauerte nicht lange, bis sich Eva bei uns gemeldet hat. Sie konnte offensichtlich nach dem Vorfall die Annehmlichkeiten in der Business Class nicht genießen und hat sich uns angeschlossen. Danach haben wir die Lokalität gewechselt und zum Abschluss einen Espresso bzw. Kaffee getrunken.
Mittwoch, 3. Dez.
Fast zeitgleich sind Gabriela (nach Zürich) sowie Eva gemeinsam mit Oreste (nach Frankfurt), kurz nach Mitternacht, mit dem Flieger nach Europa zurückgeflogen. Ein letzter Blick nach dem Start auf die riesige, hell erleuchtete Großstadt Addis Abeba. Ich hatte wieder einen Fensterplatz, sodass ich während des Fluges, bei guter Sicht, die Route über Afrika, entlang des Suezkanals und weiter über das Mittelmeer nach Griechenland über dem Balkan verfolgen konnte. Auch dieser Flug verlief angenehm ruhig. Gegen 05:30 nach MEZ sind wir in Frankfurt am Main gelandet. Damit war die Zeitverschiebung von zwei Stunden passe. Nach dem Auschecken haben Eva, die auf ihren Anschlussflug mit der Lufthansa nach Bilbao warten musste und Oreste auf einen Espresso bzw. Tee in Frankfurt verabschiedet. Oreste ist danach zum DB-Flughafenbahnhof gegangen. Ich hatte für 07:50 eine Fahrt mit dem ICE nach Köln gebucht und konnte daher die früheren Züge nicht nehmen. Die Zwischenzeit habe ich in einem Bistro bei einem Café überbrückt. Dabei bin ich mit einem Trio, die gerade aus Namibia zurückgekehrt sind, ins Gespräch. Das war sehr interessant und aufschlussreich, weil dieses Reiseziel auch noch auf meiner Agenda steht.
Mein ICE ist pünktlich eingelaufen. Nach gut einer Stunde bin ich in Köln-Deutz angekommen. Ich habe Gaby angerufen, die mich dann in Kerpen. Sindorf an der S-Bahnstadion mit dem PKW abgeholt hat. Die Wiedersehensfreude war sehr groß und ebenfalls die Vorfreude auf ein leckeres gemeinsames Frühstück nach zweieinhalb Wochen.
Es war eine ganz besondere Reise in eine für mich unbekannten Kulturkreis mit einer einzigartig schönen Naturlandschaft. Vor allem aber hat mich/uns die Begegnung mit den Menschen, und vor allen Dingen auch mit „unseren“ Patenkindern und den übrigen Kindern sowie Jugendlichen, die im Zentrum von Talata zur Schule gehen und dort zum Teil auch leben, sehr berührt. Wir wurden überall, ob in den Unterkünftigen oder auch auf der Straße, freundlich empfangen. Die Einheimischen waren freundlich und ließen uns, auch wenn ihre Lebensverhältnisse zum Teil sehr schwierig sind, Ihre Lebensfreude spüren.
Nachdenklich haben uns zwei wesentliche Aspekte gestimmt. Zum einen die häufig anzutreffende Kinderarbeit. Die Kinder wachsen meist mit fünf und deutlich mehr Geschwistern auf, sodass ihre Eltern gezwungen sind, sie zur Arbeit anzuhalten. Dadurch können viele Kinder nicht oder nur unregelmäßig den Schulunterricht besuchen, sofern ihre Eltern ihn sich überhaupt finanziell leisten können. Der Staat ist nicht in der Lage, dieses massive Manko zu beheben. Es bedarf daher privater Initiativen, die sich der Probleme annehmen. Hierzu steht, stellvertretend für einige Initiativen, Pater Pedro Opeka und dem von ihm gegründeten Verein Akamasoa. Die Aktivitäten des Vereins basieren auf vier Säulen, um folgende Ziele zu verwirklichen:
Ausbildung: Jede neue Familie, die sich in Akmasoa niederlässt, ist verpflichtet, ihre Kinder in den verschiedenen Strukturen des Vereins zur Schule zu schicken.
Arbeit: war und ist die unabdingbare Voraussetzung, um aus der Straßenhölle herauszukommen.
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Gesundheit: den Armen Zugang zu Pflege zu ermöglichen. Das größte Gesundheitszentrum befindet sich in Manantenasoa.
Wiederaufforstung: Jedes Jahr wird von den Schulkindern während der Regenzeit Tausende von Bäumen gepflanzt und systematisch um die Dörfer des Zentrums während der Trockenzeit gepflegt.
Der zweite Aspekt ist der krasse Gegensatz von Arm und Reich, den wir Europäer uns nicht vorstellen können. Ich habe leider mit eigenen Augen diese Tatsache feststellen müssen; insbesondere am Anfang unserer Reise bei unserem Aufenthalt im Quartier Waterfront. Dieser privilegierte Bereich in dem sich u.a. sich die Fernseh- und Radiostadion des Ex-Präsidenten, ein EKZ sowie die beiden Hotels der Radisson Hotel Group befinden grenzt unmittelbar an eine Vielzahl von Armenvierteln in der Hauptstadt an. Es ist über zwei Ein- und Ausgänge zugänglich und Mauern umgeben. Die Tore von beiden Zugängen werden nachts mit Eisentoren geschlossen!
Bedenklich ist auch die Tatsache, dass den Einheimischen in der Regel von der zuständigen staatlichen Behörde kein Auslandsvisum erteilt wird, um die Chance zu haben, im Ausland einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können.
Es bleibt die vage Hoffnung, dass sich die Verhältnisse in Madagaskar über die nächsten Jahrzehnte doch noch spürbar verbessern. Hierzu bedarf es allerdings eine kompetente, politische Führung, die in der Lage und auch willens ist, die seit Jahrzehnten bestehende massive Korruption nachhaltig einzudämmen. Dies wird jedoch auch davon abhängen, wie sich die geopolitische Lage in der Region in der Zukunft entwickelt und die französische Einflussnahme, die auch nach Beendigung der Kolonialzeit 1960 vorherrscht, deutlich abnimmt.
Die Bevölkerung hätte es in jedem Fall, wie in allen Ländern auf dieser Welt, die von Autokraten regiert werden, verdient. Das Land verfügt über einen unfassbaren Reichtum an Naturalien und Bodenschätzen sowie eine einzigartige und vielfältige Naturlandschaft.
Im Vorfeld habe ich mir einige Gedanken gemacht. Insbesondere ob es vertretbar ist, aufgrund der instabilen politischen Verhältnisse auf Madagaskar nach dem Sturz des Präsidenten Anfang Oktober. Zum Glück hatte sich die Lage bis zu unserem Aufenthalt weitgehend beruhigt. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung, aufgrund zahlreicher Begegnung mit den freundlichen und netten Menschen vor Ort, machen durfte. Meine Wünsche wurden auch in dieser Hinsicht erfüllt. Auch in diese einzigartige, vielfältige Landschaft eintauchen zu dürfen, war eine Bereicherung.
Abgerundet wurde das Ganze, indem wir mit einer sehr homogenen Truppe die gemeinsame Zeit auf Madagaskar verbracht haben. Wir hatten sehr viel Spaß miteinander und hatten eine großartige, gemeinsame Zeit, die uns noch lange Erinnerung bleiben wird. Vielleicht hilft dieser Bericht das Erlebt auch in der Zukunft wach zu halten.
Dass alles verdanken wir unserer lieben EVA! Mit ihren zahlreichen Kontakten und umfangreichen Wissen haben, wurde uns ein tiefer Einblick in das Leben der Menschen auf Madagaskar gewährt.
Oreste im Dezember 2025