Zeitungsbericht Westfälische Nachrichten vom Samstag, dem 11.04.2026

Verein „Die Kinder von Talata“ hilft in Madagaskar –mit maßgeblichem Anteil aus Münster

Schulausbildung dank Patenschaften

Von Damian Levkau

MÜNSTER/TALATA-VOLONONDRY.

Wie viel kostet es, um einem Kind in Madagaskar eine ordentliche Schulausbildung zu finanzieren? Dr. Josef Sobek weiß es: etwa 15 Euro im Monat. Der 72-jährige Zahnarzt lebt seit vielen Jahrzehnten in Münster, fühlt sich mindestens genauso mit einer kleinen Stadt in der Nähe von Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, verbunden.

Seit über 20 Jahren reist er fast jährlich nach Talata-Volonondry, um dort bei seinem Herzensprojekt nach dem Rechten zu schauen.

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt. Wäre das Land in Europa, würde es von Kopenhagen bis nach Romreichen.Vondenetwa 30 Millionen Einwohnern sind knapp 40 Prozent weniger als 15 Jahre alt, das Land ist von extremer Armut geprägt. Laut Sobek sei es dadurch für viele Familien unvermeidbar, dass die Kinder bei der Arbeit mithelfen müssten. Auf dem Papier herrsche zwar eine Schulpflicht, es fehle im Land jedoch ganz maßgeblich an staatlich finanzierten Schulen und Lehrern.

Aus diesem Grund übernehmen zum Teil andere Organisationen die schulische Ausbildung von Kindern. So etwa der französische Orden „Congregation de St. Joseph de Cluny“ mit Sitz in Paris. In seiner Schule erhalten madagassische Kinder eine gute Schulausbildung. Diese ist aber nicht kostenlos. Um aufgenommen zu werden,müssen die Familien umgerechnet etwa 15 Euro im Monat zahlen. In dem extrem armen Land ist dies für viele einfach nichtmöglich. Von dieser Ungerechtigkeit hat Sobek über eine gute Freundin erfahren. 2003 war Eva Kopp für einen Urlaub auf Madagaskar. Sie entdeckte vor Ort den Orden und die Schule und war sofort begeistert.

Sie nahm sich vor, Menschen in Deutschland davon zu überzeugen, eine Patenschaft für Schulkinder, die sich die Ausbildung nicht leisten können, zu übernehmen.

Als sie Sobek davon erzählte, war auch er nicht mehr zu stoppen: Er hat in Münster und Umgebung ordentlich die Werbetrommel gerührt. Von den 200 Patenschaften, um die sich der Verein (www.kindervontalata.de) heute kümmert, sind knapp die Hälfte aus Münster und Umgebung.

Jeder von ihnen zahlt 15 Euro imMonatund finanziert die Schulausbildung für ein madagassisches Kind. Dafür kann der Verein den Kindern den Unterricht, Schulkleidung und eine warme Mahlzeit am Tag ermöglichen. Im Gegenzug bekommen sie von den dankbaren Kindern Briefe geschickt. Viele Mädchen, die von der Patenschaft profitieren, würden danach eine Berufsausbildung machen und könnten auf eigenen Beinen stehen, berichtet Sobek.

Sie würden mit Mitte Zwanzig zwei oder drei Kinder bekommen, die sie versorgen und zur Schule schicken könnten. Und darauf ist Sobek besonders stolz, da es in Madagaskar sonst üblich sei, dass die Frauen bis zu zehn Kinder haben.

Schon mit 13 bis 14 Jahren bekämen sie ihr erstes Kind. Davon ginge im Regelfall niemand zur Schule, auch die Frauen würden nie richtig ins Berufsleben einsteigen können.

Er freut sich, den Frauen durch die Schulausbildung Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Eine Sache ist Sobek, der selbst auch Pate ist, besonders wichtig: Von den 15 Euro, die ein Spender zahlt, geht jeder Cent direkt an das Patenkind. Für Verwaltungsgebühren,

»Die Situation in dem furchtbar armen Land hat sich so bei mir manifestiert, da musste ich einfach etwas tun.«

Josef Sobek

etwa Bürokratiekosten, Flugtickets oder Mahlzeiten der Mitarbeiter gehe kein einziger Cent drauf. Das zahlen er und Kopp alles aus eigener Tasche.

Und warum das alles? Sobek habe selbst fünf Kinder und auch als Kieferorthopäde viel mit Kindern zu tun gehabt: „Die Situation in dem furchtbar armen Land hat sich so bei mir manifestiert, da musste ich einfach etwas tun.“ Er habe sich vorgenommen, im kleinen Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen und wenigstens ein paar Menschen aus dieser Armutsspirale zu befreien. Durch diese Arbeit entsteht für die Kinder etwas, was sie sich sonst nicht hätten erdenken können – eine echte Perspektive.

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